Wenn Schneereste in Rinnen glänzen, treiben die ersten Kräuter zart und duftend. Sauerampfer, Giersch, junge Fichtenspitzen, dazu Rahm von der Alpe – daraus entstehen Suppen, Aufstriche, Butter, die nach Wiese schmeckt. Brennnesseln färben Teig grün, Primelblüten krönen Salate. Die Pfanne zischt leise, Fensterscheiben beschlagen kurz, und die Küche wird zum Gewächshaus der Sinne. So beginnt ein Jahreslauf, der Aromen feiert, statt sie zu übertönen.
Im Hochsommer färben Heidelbeeren Zungen blau, und kalte Bäche kühlen Handgelenke zwischen Topf und Brett. Ein Stück Bergkäse, grob gebrochen, trifft auf Tomaten aus dem Garten, dazu Buchweizenpfannkuchen mit Waldhonig. Auf der Stufe vor der Tür wird gegessen, mit nackten Füßen und Lachfalten. Schalen, Messer, ein Holzbrett – mehr braucht es nicht. Der Sommer schmeckt nach Freiheit, die man kauen, teilen und im Gedächtnis aufbewahren kann.
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